Prof. Dr. Rainer E. Wiedenmann

Mensch-Tier-Grenzziehungen und soziale Differenzierung (Abstract)

Mit der Herausbildung moderner Gesellschaften hat sich die Art und Weise geändert, wie Mensch-Tier-Grenzziehungen semantisch und praktisch gehand-habt werden. Der Vortrag versucht einige zentrale Aspekte dieses Wandels zu beleuchten. Leitend ist dabei die Vorstellung, dass diese Veränderungen erst vor dem Hintergrund der Umstellung der primären gesellschaftlichen Differen-zierungsform angemessen erfasst werden können: In der funktional differen-zierten Gesellschaft diversifizieren sich Mensch-Tier-Grenzziehungen und die damit einher gehenden Inklusions- und Exklusionsverhältnisse nach einer anderen „Logik“ als in vormodernen, stratifikatorisch differenzierten Gesell-schaften. Im Vortrag werden einige charakteristische Erscheinungsformen und Folgen dieser Entwicklung angesprochen. Dabei zeichnet sich ab, dass ein allzu eng gefasster Gesellschaftsbegriff, der nur auf menschliche Kommunikation zugeschnitten ist, zu kurz greift. Aussichtsreicher erscheint eine Perspektive, die solche humansoziologischen Verengungen überwindet und auch Tiere als soziale Akteure einbezieht.