Dr. Mieke Roscher

„Historia Animalius – Quo Vadis?“ Neue Konzepte der Tierhistoriographie im Licht methodischer Problematiken und ideologischer Vorbehalte

Tiere sind in unserer heutigen Medienlandschaft omnipräsent. Der Eisbärjunge Knut war 2006 ein Publikumsmagnet im Berliner Zoo und ein weltweiter Medienexportschlager. BBC und CNN berichteten live. Auch der so genannte „Problembär“ Bruno hielt sein Publikum vor den Fernsehern der Nation in Atem. Andere tierische Protagonisten, die zu ihrer Zeit ähnliche Aufmerksamkeit auf sich zogen, waren beispielsweise die Hündin Leika, die von der sowjetischen Raumfahrtbehörde in den Orbit geschossen wurde und Dolly, das Klonschaf. Aber erinnern wir uns noch an den zahmen Bär Winnie, der immerhin einer populären Kindergeschichte seinen Namen lieh, an Fala, Franklin D. Roosevelts Terrierhündin, die zeitweise repräsentative Aufgaben des Präsidenten übernahm, oder an Judy, die einzige tierische Kriegsgefangene mit militärischem Rang während des Zweiten Weltkrieges?
Tiere begleiteten den Menschen durch seine gesamte Geschichte, mal als Beschützer, mal als Leidensgenossen, mal als Gefahr. Ihrer Geschichte ist indes nur sporadisch nachgegangen worden. Grund für diese Lücke ist, unter anderem, die historischen Methode, die das Quellenstudium als einzig legitime Herangehensweise an die Vergangenheit kennt und den Tieren wegen deren Mangels an adäquater Quellenproduktion den Weg in die Geschichtsbücher verwehrt. Allerdings wird in der aktuellen Debatte das Tier inzwischen als Objekt (jedoch zumeist nicht als Subjekt) kulturhistorischer Themenfindungen (neu) entdeckt.
Diese Einblicke sollen in diesem Vortrag vermittelt werden und zwar sowohl im Hinblick auf die aktuellen Diskussion um die Human-Animal Studies innerhalb der Geschichtswissenschaft als auch ihre theoretischen und methodischen Fundierungen betreffend, die hier von den führenden Vertreter/innen der Disziplin andiskutiert werden. Insbesondere wird der Frage nach den möglichen Quellen nachgegangen. Zudem wird sich der Vortrag mit der Frage beschäftigen, welche Möglichkeiten diskutiert werden, Tiere mithilfe biografisch-subjektivistischer, handlungsorientierter und praxelogisch-performativer Herangehensweisen in der Historiografie zu berücksichtigen.